Umweltzahnmedizin Umweltzahnmedizin

Die Umweltzahnmedizin ist eine Fachrichtung der Zahnheilkunde, die sich mit dem Einfluss dentaler Werkstoffe und (umweltbedingter) chronischer Prozesse in der Mundhöhle auf den Körper beschäftigt. Sie erfordert die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtung (Zahnmedizin, Zahntechnik, Humanmedizin u.v.m.), ist also interdisziplinär. Die Umweltzahnmedizin ist einerseits heilend — mit Blick auf den chronisch kranken Patienten — andererseits präventiv, d.h. vorbeugend tätig.

In Europa leiden Millionen von Menschen an den modernen Zivilisationserkrankungen (Allergien, Diabetes, Rheuma, Magen-Darmentzündungen, Osteoporose, chronische Infektionen oder Herz- und Kreislauferkrankungen). Diesen Erkrankungen ist gemeinsam, dass sie mit einer chronischen Entzündung im Körper verbunden sind. Faktoren unterschiedlichster Natur haben einen auslösenden oder unterhaltenden Einfluss auf diese Prozesse. Neben den „natürlichen” Auslösern (Bakterien, Pilze, Pollen, Pflanzenstoffe, tierische Eiweiße, Viren u.v.m.) gibt es zahllose künstlich hergestellte Stoffe (Legierungen, Konservierungsstoffe, Kunststoffe, Umweltgifte …), die ebenfalls als Auslöser eines chronischen Entzündungsprozesses wirken können.
Mit dieser Problematik beschäftigt sich die Umweltzahnmedizin und nutzt dabei Methoden und Wissen aus der Allergologie, Toxikologie, der Physiologie und der Materialkunde. Während der Untersuchung und Therapieplanung wird nach Faktoren und Einflüssen gesucht, die Entzündungsprozesse im Körper auslösen, begünstigen oder unterhalten können.

Dentale Werkstoffe

In der Zahnheilkunde wurden und werden zahlreiche Fremdstoffe zur Behandlung benutzt (z. B. Amalgam, Kunststoffe, Kleber). In manchen Fällen führen diese dentalen Werkstoffe zu einer (verborgenen) Entzündungsreaktion im Körper. Diese Reaktion findet nicht selten außerhalb der Mundhöhle statt. Die Folge ist manchmal eine jahrelange Odyssee durch die Fachgebiete der Medizin (Innere, Orthopädie, Gynäkologie, Haut …), bis endlich durch eine umweltzahnmedizinische Untersuchung die Ursache herausgefunden und behandelt wird.
Auch chronische oder immer wiederkehrende Erkrankungen der Mundhöhle (Parodontose, Aphten, Herpes) können durch dentale Werkstoffe ausgelöst werden.

Diagnostik

Durch Untersuchungen des Blutes oder eines Schleimhautabstriches kann eine Unverträglichkeit gegenüber den eingesetzten dentalen Werkstoffen festgestellt werden. So wird z. B. auf eine Sensibilisierung oder Unverträglichkeit gegenüber Kunststoffen aus der Zahnmedizin, Wurzelfüllmaterialien, Betäubungsmittel oder eingesetzte Metalle (auch Gold oder Titan!) getestet. Bei entsprechender Vorgeschichte wird auch die genetische Voraussetzung für eine überschießende Entzündungsreaktion, also ein überempfindliches Immunsystem, getestet. Zum Repertoire der umweltzahnmedizinischen Diagnostik gehört auch die Untersuchung auf eine Schwermetallbelastung (Blei, Quecksilber) des Körpers.

Therapie

Die Therapie besteht in einer Entfernung des Fremdmaterials aus der Mundhöhle (Füllungen, Kronen, Wurzelfüllungen u.v.m.). Daran schließt sich eine „Ausleitung” der Fremdstoffe aus dem Körper an, die häufig eine Sanierung des Darmes mit einschließt. Die Ausleitung umfasst eine Stabilisierung und Aktivierung der Ausscheidungsorgane (Haut, Leber, Lunge, Nieren) mit bewährten naturheilkundlichen Verfahren. Die Darmsanierung besteht im Prinzip aus einer Reinigung der Darmschleimhaut und einer Aktivierung und Unterstützung der symbiotischen („guten”) Darmbakterien. Auch hier werden bewährte naturheilkundliche Verfahren eingesetzt. Die Entfernung der auslösenden Stoffe aus dem Körper kann bis zu einem Jahr und länger dauern. In unserer Praxis werden Ausleitung und Darmsanierung von einem speziell ausgebildeten Arzt für Allgemeinmedizin durchgeführt und überwacht. Die Therapie ist immer individuell und an die Möglichkeiten und Lebensumstände des Patienten angepasst.

Prävention

In der modernen Zahnheilkunde ist die Verwendung körperfremder Stoffe unumgänglich. Um die negativen Auswirkungen zu vermeiden, empfehlen wir jedem Patienten eine labormedizinische Abklärung des Risikos einer Unverträglichkeit. Mithilfe moderne Testverfahren ist eine entsprechende Risikoeinschätzung bereits im Vorfeld möglich. Wenn eine Unverträglichkeit gegenüber einem dentalen Werkstoff besteht werden alternative Materialien eingesetzt. Nicht selten kann eine Darmsanierung die Reaktionslage erheblich verbessern, da der Darm unser größtes Immunsystem darstellt.
Bei einer Überlastung durch eine bakterielle Fehlbesiedelung, Nahrungsmittelunverträglichkeit oder mangelnde Darmaktivität (Verstopfung, Durchfälle) kann das Immunsystem derart überreit sein, das jede weiter Anforderung zu einem Zusammenbruch des Abwehrsystems führt. Der „Tropfen, der das Fass zu Überlaufen bringt” kann dann durchaus eine kleine Füllung oder ein normalerweise problemlos vertragenes Material sein.
Auch hier kommt unsere Zusammenarbeit zwischen Umweltzahnarzt und Präventionsmediziner vorteilhaft zum Tragen. Denn im Normalfall weiß der Arzt nicht von den Risiken der dentalen Werkstoffe und der Zahnarzt nichts von den Zusammenhängen zwischen Darm und Unverträglichkeiten im Mund.